Am 25. April 2026 kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Steuerpaket an, das Auswanderer aufhorchen lässt:
Wer in den letzten drei Jahren nicht steuerpflichtig in der Türkei war, soll künftig 20 Jahre lang keine türkische Steuer auf ausländisches Einkommen und Kapitalgewinne zahlen. Nur inländisches türkisches Einkommen würde besteuert werden.
Das wäre doppelt so lang wie die Regelungen in Portugal (10 Jahre) oder Italien (15 Jahre) – und ohne pauschale Jahresgebühr.
Doch Vorsicht: Das Paket ist bisher nur eine Ankündigung, kein verabschiedetes Gesetz. Was das konkret bedeutet, welche Bedingungen gelten und wie sich die Türkei als Wohnsitz für internationale Unternehmer positioniert, klären wir hier.
Was Erdogan angekündigt hat – und was noch fehlt
Erdogan stellte das Steuerpaket im Rahmen des "Turkey Century Strong Center for Investment Program" in Istanbul vor. Die Kernpunkte:
Was noch nicht klar ist:
Erdogan bezeichnete die Maßnahmen als "radikalen Schritt" und betonte, die Türkei solle zu einem globalen Anziehungspunkt für Kapital werden. Doch bis zur Parlamentsgenehmigung bleibt es eine Ankündigung – kein verbindliches Recht.
Warum die Türkei jetzt – und warum so aggressiv
Die Türkei positioniert sich als Alternative zu den traditionellen Steueroasen im Mittelmeerraum.
Während Italien mittlerweile €300.000 pro Jahr für sein Lump-Sum-Programm verlangt und Griechenland €100.000 für den Non-Dom-Status, sieht die türkische Ankündigung keine pauschale Gebühr vor – zumindest nicht laut Erdogans Rede.
Das Timing ist kein Zufall: Der Iran-Krieg hat Infrastruktur in den VAE, Saudi-Arabien und Katar beschädigt.
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Die Türkei sitzt unter dem NATO-Schutzschirm und blieb weitgehend unversehrt. Erdogan selbst sprach davon, diese geopolitische Krise als Chance zu nutzen – ähnlich wie während der Pandemie.
Finanzminister Mehmet Simsek hatte bereits Wochen vor der Ankündigung "radikale Anreize" angekündigt, um ausländisches Kapital anzuziehen.
Laut Bloomberg war die türkische Regierung dabei, Gesetzgebung zu entwerfen, um Istanbul Finance Centre-Privilegien landesweit auszurollen.

Die Verbindung zum türkischen Citizenship-by-Investment-Programm
Die Türkei bietet bereits ein Citizenship-by-Investment-Programm (CBI): Wer mindestens US$400.000 in Immobilien investiert, kann die türkische Staatsbürgerschaft erhalten.
Mit einem kleineren Immobilieninvestment (ab US$200.000) gibt es ein Aufenthaltsvisum (Ikamet) für ein bis zwei Jahre.
Bisher war das steuerliche Bild für CBI-Inhaber wenig attraktiv: Wer in der Türkei steuerlich ansässig wird, zahlt 15–40% Einkommensteuer auf weltweites Einkommen (mit Doppelbesteuerungsabkommen teilweise gemildert).
Das neue Paket könnte diese Steuerlast komplett eliminieren – zumindest für ausländisches Einkommen. Ob CBI-Kandidaten, die bisher nie türkische Steuerresidenz hatten, automatisch qualifizieren, ist noch offen.
Falls das Gesetz so kommt wie angekündigt, entsteht ein einzigartiges Paket: Staatsbürgerschaft via Investment + 20 Jahre Steuerfreiheit auf Auslandseinkommen. Das wäre für viele internationale Unternehmer mit mobilem Einkommen hochinteressant.
Was das für Dich als Auswanderer bedeuten könnte
Wenn das Paket verabschiedet wird und Du die Voraussetzungen erfüllst, bedeutet das:
Die Türkei ist auch geografisch attraktiv:
- Istanbul ist ein internationaler Drehkreuz-Flughafen
- die Städte am Mittelmeer bieten mildes Klima
- und das Land hat eine dynamische Unternehmenskultur.
Praktisch heißt das: Wenn Du Dein Einkommen bereits international strukturiert hast (z.B. über eine US LLC, eine Offshore-Struktur oder Krypto-Investments), könntest Du in der Türkei leben, ohne dort Steuern auf diese Einkünfte zu zahlen – für zwei Jahrzehnte.

Die Türkei als Wohnsitz – zwischen Chance und Realität
Die Türkei ist kein klassisches Steuerparadies, aber sie könnte mit diesem Paket eine ernsthafte Alternative werden. Einige Punkte zur Einordnung:
Vorteile:
Herausforderungen:
Die Türkei ist also kein Dubai – aber sie könnte für Dich sinnvoll sein, wenn Du Wert auf geografische Lage, Kultur und niedrige Kosten legst und bereit bist, mit etwas höherer Unsicherheit zu leben.
Was jetzt noch passieren muss – und wie Du Dich vorbereitest
Das Steuerpaket ist noch kein Gesetz. Es braucht:
- Vorlage im türkischen Parlament
- Parlamentarische Genehmigung
- Veröffentlichung der Implementierungsverordnung mit konkreten Bedingungen
Bis dahin gilt: Abwarten. Keine verbindlichen Schritte einleiten, keine Investitionen tätigen, nur weil Erdogan eine Rede gehalten hat.
Was Du jetzt tun kannst:
Die Türkei könnte mit diesem Paket zu einer der attraktivsten Wohnsitz-Optionen für internationale Unternehmer mit Auslandseinkommen werden – aber nur, wenn das Gesetz wirklich so kommt wie angekündigt.
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